Odermatt AG  ·  Ideen-Schreinerei

 ·  Odermatt AG  ·  Ideen-Schreinerei  ·  Adligenswil

Ihre Wohnung, Ihr Lebensgefühl

Lust auf Veränderung? Im Expertengespräch erfahren Sie, was für eine ideale Einrichtung wichtig ist, und wie individuelle Räume Ihr Lebensgefühl verändern können. 

Wenn wir uns als Menschen verändern, verändern sich auch unsere Bedürfnisse an die Räume, in denen wir leben und arbeiten. Der Weg von einer Idee bis zur einzigartigen Einrichtung ist ein faszinierendes Erlebnis. Darüber tauschen wir uns immer wieder mit anderen Experten aus. Mit der renommierten Designexpertin und Professorin Brigitte Steffen haben wir darüber gesprochen, was Wohnen heute bedeutet, und wie wichtig individuelle Räume für ein gutes Lebensgefühl sind. Wir wünschen viel Inspiration beim Lesen. 

Franz Odermatt, kreatives und individuelles Design ist das Markenzeichen Ihrer Firma. Was ist für Sie eine perfekte Einrichtung?
In einer perfekten Einrichtung stehen die Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten der Bewohner im Mittelpunkt. Es ist wichtig, dass unsere Kunden die Gesamtidee mitentwickeln, damit sie sich auch nach Jahren noch wohl darin fühlen. Wohnen ist wichtiger und individueller geworden, Funktion und Design müssen optimal mit den eigenen Bedürfnissen und Sinnen harmonieren.

Brigitte Steffen, Sie kennen sich mit der Schnittstelle Mensch und Design sehr gut aus. Was braucht es, damit wir uns in einem Raum wohl fühlen?
BS: Vieles muss zusammenspielen: Die Akustik, die Farben, das Material, das Licht, die Proportionen. Neben unserem individuellen Geschmack haben wir gewisse Grundinstinkte. Ganz wichtig ist eine Rückzugsecke, in der wir uns geborgen fühlen, gerade in grossen Räumen. Am Boden brauchen wir ein Material, das uns Halt gibt – niemand geht gern auf Glas. Auch die Körpergrösse gibt unterschiedliche Raumbedürfnisse vor. Die Raumstruktur muss zu ihren Bewohnern und Bewegungen passen. Ein guter Designer stellt nicht sich selber ins Zentrum, sondern kann sich in andere hineinfühlen.

Wir gestalten unsere Wohn- und Arbeitsräume, aber die Räume gestalten auch unser Leben. Einverstanden?
BS: Absolut. Unterschiedliche Räume führen zu unterschiedlichen Ritualen: Wie stehe ich auf? Wie treffe ich auf meine Freunde? Fühle ich mich gut aufgehoben? Das wiederum spiegelt zurück auf die Einrichtung: Lasse ich den Blick frei oder ziehe ich die Vorhänge?
FO: Die Umgebung nimmt sehr grossen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Aktivität. Deshalb muss man sich gut überlegen, was man von einem Raum erwartet. Wünsche ich kreatives Arbeiten, lebendige Diskussionen oder Ruhe und Entspannung.
BS: Wie stark der Mensch auf seine Umgebung reagiert, sieht man ja auch an den unterschiedlichen Wohnkulturen. In Afrika herrscht ein anderes Licht als hier in Europa, dort wohnt man mit sehr kräftigen Farben. Hier haben wir in der Natur viel Braun und Beige, und das wiederum stark auf die Menschen und Wohnungen.

Wie verändert sich unser Bezug zur Wohnumgebung in verschiedenen Lebensphasen?
BS: Gewisse Grundbedürfnisse wie der Wunsch nach Geborgenheit bleiben immer, dagegen können wir uns nicht wehren. Aber selbstverständlich hat eine junge Familie andere Bedürfnisse an einen Raum als ein Paar, das zusammen in die Rentenzeit geht. In einem Raum sieht man fast immer, was den Leuten wichtig ist im Leben. Die Prioritäten verändern sich, auch bezüglich der Einrichtung selbst.
FO: Das stellen wir mit unseren Kundinnen und Kunden immer wieder fest. Für viele junge Paare ist anfangs die Wohnungssuche das Wichtigste. Wenn Kinder da sind, stehen diese im Mittelpunkt und die Einrichtung passt sich laufend an. Wenn die Kinder dann ausfliegen, rücken die eigenen Wünsche wieder stärker in den Fokus und man merkt, dass einem nicht mehr alles entspricht, was man mit dreissig genau richtig fand.
BS: Bei Ersteinrichtungen geht man oft Kompromisse ein. Mit der Zeit merkt man: Eigentlich brauche ich dies oder das gar nicht mehr, dafür möchte ich mehr Bewegungsfreiheit oder eine ruhige Ecke ganz für mich.
FO: Dieser Prozess ist auch etwas sehr Schönes: Wenn die Pension ansteht, beginnen viele unserer Kunden, sich bewusst und intensiv mit der eigenen Einrichtung auseinanderzusetzen. Man hat Zeit, man kann mehrere Etappen machen und so das Budget viel besser planen. Das Resultat ist hohe Qualität und viel Freude.

Kann eine neue Umgebung auch befreiend wirken?
FO: Wie aus Kleidern können wir auch aus unseren Wohnungen herauswachsen. Oft bauen wir ja nicht um, weil die Möbel nicht mehr funktionieren, sondern aus einem Bedürfnis nach Umstrukturierung. Auch geringfügige Veränderungen können ein neues Lebensgefühl und viel Freude bringen, weil wir Altes loslassen und Neues entdecken.
BS: Kleider sind ein gutes Stichwort, denn eine Wohnung ist immer auch eine Bühne. Diese öffnet man seinen Gästen, man zeigt, wer man ist – das ermöglicht authentische Begegnungen auf einer neuen Ebene. Das können standardisierte Konzepte nicht.
FO: Heute hat man tatsächlich mehr Mut, seine ganz persönliche Einrichtung zu verwirklichen. Man denkt weniger an die Aussenwirkung, sondern die Gäste dürfen sehen, wer ich bin, und dass ich mich zuhause wohl fühle. Zudem stimmt man die einzelnen Räume mehr auf die verschiedenen Bedürfnisse der Bewohner ab – es muss nicht alles gleich sein.

In Ihrem Raum für Ideen lassen sich Kunden zu Wohnträumen inspirieren. Bringen sie auch ihre eigenen Ideen ein?
FO: Unsere Kunden kommen häufig mit eigenen Ideen und haben teilweise ein überraschend grosses Wissen. Sie erzählen von Dingen, die sie gesehen und die ihnen gefallen haben. Diese Fülle inspiriert auch uns als Gestalter. In den folgenden Gesprächen kann man tiefer gehen und schauen: Was von diesen Dingen passt wirklich zu dieser Person und dieser Wohnung?
So kommt man auf sehr spannende neue Wege.
BS: Ich stelle fest, dass Wohnkonzepte nicht nur immer individueller, sondern auch internationaler werden. Heute reist man viel und nimmt dabei Ideen für die eigene Lebensgestaltung mit, sei es bei den Kleidern oder der Wohnung. Das heisst nicht, dass man es auch eins zu eins so umsetzt, aber diese Vielfalt bietet für die Gestalter eine tolle Ausgangslage.
Mann und Frau gehen mit Räumen unterschiedlich um. Das haben Sie, Brigitte Steffen, intensiv untersucht.
BS: Ich will niemanden schubladisieren, aber es gibt durchaus Unterschiede. Männer gestalten Räume tendenziell anonymer und besetzen ihr Revier über technische Mittel. Frauen können sich in Räumen mit vielen Details besser orientieren und «verbreiten» sich gern im Raum. Auch nehmen sie Farben und Oberflächenstrukturen detaillierter wahr. Männer mögen in der Regel stärkere Kontraste, während Frauen die Farbigkeit eher abdimmen. Insgesamt setzen sich in Wohnfragen tendenziell noch immer die Frauen durch.

Franz Odermatt, wie erleben Sie diese Unterschiede?
FO: Ja, da treffen manchmal unterschiedliche Ideen aufeinander. Das Tolle ist, dass daraus oft fruchtbare Diskussionen und ganz neue Varianten entstehen. Und wir beobachten auch interessante Veränderungen: So sind Männer beim Prozess hin zur idealen Einrichtung immer aktiver dabei und bereiten sich offensichtlich bewusster auf die Rentenzeit vor. Das war früher nicht so.

Man(n) legt heute also mehr Wert auf das eigene Zuhause. Gibt es andere interessante Entwicklungen bezüglich der Wohngestaltung?
BS: Ich beobachte, dass die Menschen im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung wieder vermehrt Halt in den eigenen vier Wänden suchen. Unsere Welt ist komplex geworden, und das Bedürfnis nach Geborgenheit ist gross. Die Menschen wollen das Material wieder stärker spüren, Oberflächen sollen Struktur haben und Wärme ausstrahlen. Das bedeutet nicht zwingend einen rustikalen Stil. Wärme kann man auch auf eine ganz elegante Art erreichen.

Franz Odermatt, Sie haben schon etliche Paare beim Wohnungs- oder Hausumbau beraten. Wie bringen Sie die verschiedenen Bedürfnisse zusammen?
FO: Wichtig ist, dass am Anfang alle Beteiligten ihre Vorstellungen äussern. In weiteren Gesprächen beginnt ein spannender Prozess hin zum gemeinsamen Wohntraum. Dabei geht es zunächst weniger um Details wie Material oder Farbe, sondern wir betrachten die Wohnsituation von Grund auf. Mit einer ganzheitlichen Betrachtungsweise können wir als Berater neue und überraschende Lösungen aufzeigen.
BS: Wenn man über Einrichtung spricht, wird es schnell intim. Schliesslich geht es darum, wie man zusammen lebt und leben will. Deshalb ist es wichtig, einen Einrichtungspartner zu haben, der zuhören und dem man vertrauen kann. Man überdenkt seine Rituale, man schaut in die gemeinsame Zukunft – das kann für eine Beziehung sehr bereichernd sein.
FO: Tatsächlich kommt in unseren Gesprächen jeweils viel Unbewusstes zum Vorschein. Die Leute öffnen sich und sprechen über ihre Wünsche. So können sich viele Dinge lösen. Oft lachen Paare, wenn sie herausfinden: Eigentlich wollten wir von Anfang an das Gleiche. Dieser Prozess wirkt verbindend und motivierend. Man muss sich neu erfinden, zusammen planen, eine gemeinsame Sprache finden. Wenn man von Grund auf vorgeht, ergeben sich die Details oft wie von selbst.

Gerade bei Materialien bieten sich unendliche Möglichkeiten, heutzutage ist alles machbar. Wie finden Sie, Franz Odermatt, für Ihre Kundinnen und Kunden die perfekte Lösung?
FO: Ein Material kann je nach Bearbeitung der Oberfläche ganz verschiedene Ausstrahlungen haben – unsere Sinne sind hier sehr fein ausgeprägt. Wir schauen, welches Material ideal zu einer Person passt und in welchem Grad es zur Geltung kommen soll. Wichtig ist, dass wir am Anfang ein Konzept, eine Philosophie festlegen. Das Material dient vor allem dazu, diese zu unterstützen.

Was ist besser: Alles neu machen oder einzelne Eingriffe?
FO: Es gibt kein Einheitsrezept. Als Gestalter wollen wir die Situation vor Ort kennenlernen. Manchmal braucht es für eine grosse Verbesserung erstaunlich wenig. Es ist aber immer wichtig, Altlasten loszulassen.
BS: Natürlich müssen Dinge, die einem wichtig sind, ihren Platz haben. Um sich über die eigenen aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse klar zu werden, ist es vor allem wichtig, sich Zeit zu lassen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, sondern es ist ein Prozess. Eine Einrichtung darf auch langsam wachsen.
FO: Unbedingt. Sich Zeit zu nehmen, ist entscheidend. Wir schauen: Was braucht es wirklich?
Mit genügend Zeit wächst die Überzeugung und Freude. So entstehen einzigartige Einrichtungen, in denen man sich auch nach Jahren noch wohl fühlt.

Sie haben Ihre Ausstellung neu auch am Samstag geöffnet. Wie kommt das bei Ihren Kunden an?
FO: Wir sind selbst erstaunt, wie sehr dieses Angebot geschätzt wird. Interessanterweise kommen die meisten Kunden um die Mittagszeit. Man hat vorher alles Wichtige erledigt und kann sich dann in Ruhe inspirieren lassen.